Akagera Nationalpark

Am 27. bin ich morgens um vier Uhr aufgestanden, um mit Lara und ihrer Mutter in den Akagerapark zu fahren. Von Kigali aus sind es circa 100 km, man benötig irgendwas zwischen zweieinhalb und drei Stunden.

Der Akagera Nationalpark ist 1200 km² groß und beherbergt über 1200 große Säugetiere, unter anderem Giraffen, Löwen, Elefanten, Nashörner, Affen, Zebras und Löwen. Zudem gibt es fast 500 verschiedene Vogelarten, welche ebenfalls in dem Park leben. Es sind drei verschiedene Ökoregionen (Savanne, Sumpf und Berg) innerhalb des Parkes vertreten.

In den 1990ern wurde der Park von wiederkehrenden Flüchtlingen des Bürgerkriegs in Ruanda genutzt, um dort nach ihrer Rückkehr zu leben. Da es nicht genug Fläche zum Leben gab, wurde der Park 1997 verkleinert und ein teil der Savanne wurde von den wiedergekehrten Flüchtlingen als Farmland genutzt. Von 2500 km² wurde der Park auf seine jetzige größe reduziert.

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Der 24. Dezember

Mein 24. Dezember fing damit an, dass ich meine restlichen Sachen zusammen gepackt habe, denn am nächsten Tag bin ich aus der Wohnung ausgezogen. Nach einer kalten Dusche (wir hatten zum Glück wieder Wasser, das ist in den letzten Wochen nämlich regelmäßig ausgefallen) bin ich mit Judith, einer Freundin die einen Freiwilligendienst in Kenia macht und mich über Weihnachten in Kigali besucht hat, zu Laura gefahren. Dort haben wir Spinat und Brokkoli für unsere Lasagne geschnippelt und haben alles fertig gemacht. Nach einem Telefonat nach Deutschland sind wir mit einer anderen Freiwilligen (Lara) in einen Gottesdienst gegangen. Eigentlich sollte der Gottesdienst auf Englisch sein. Doch nach dem auch nach den ersten fünfzehn Minuten noch kein Wort auf Englisch gefallen war, sondern alles in iKinyarwanda gesagt wurde, waren wir uns ziemlich sicher, dass sich da auch nicht mehr ändern würde. Damit lagen wir richtig, trotzdem war der Gottesdienst sehr interessant. Bei jedem Wort, welches Lara und ich verstanden haben, mussten wir grinsen und haben uns wie kleine Kinder darüber gefreut. amafaranga (Geld) ist eins der Wörter, die bei mir im Büro oft fallen, wenn es um die Finanzierung der Projekte geht. Das fiel auch ein paar Mal, unter anderen im Zusammenhang mit angahe (wie viel). Der Priester war wohl sehr witzig, denn die Gemeinde hat viel gelacht. Leider richten die wenigen Wörter, die wir verstanden haben nicht dazu aus, um ebenfalls mit lachen zu können. Im Laufe des Gottesdienstes standen auf einmal 12 Frauen mit Kindern auf und gingen mit ihnen vor den Altar. Wir glauben, dass die Kinder getauft wurden. Genau konnten wir es aber leider nicht sehen. Nach zweieinhalb Stunden sind Judith und ich dann aufgebrochen um die zuvor fertig gemachte Lasagne mit Laura und ein paar weiteren Leuten zu essen. Es war ein etwas anderer Heiliger Abend, bei 30°C und mit einem zum Großteil unverständlichem Gottesdienst. Trotzdem war es sehr schön. Wirklich Weihnachten ist für die Menschen hier aber erst am 25. Dezember, also etwas anders als in Deutschland.

Noheli nziza ihr Lieben, frohe Weihnachten🎄

Uganda

Mittwochabend haben Hanna, Sophie und ich uns entschlossen, am nächsten Abend mit einer anderen Freiwilligen WG nach Uganda zu fahren, um dort übers Wochenende andere Freiwillige zu besuchen. So kam es, dass wir uns Donnerstagabend auf den Weg zu Nyabugogo machten, dem großen Busbahnhof in Kigali. Von dort aus haben wir einen Bus genommen, der uns über Kampala und ein paar kleinere Stops nach Jinja brachte. Jinja liegt circa 80 km östlich von der ugandischen Hauptstadt Kampala am Lake Victoria, in der Nähe der Quelle des Weißen Nils.

An der Grenze zu Uganda mussten alle den Bus verlassen. Wir sind etwas planlos den anderen Reisenden hinterher gelaufen, da wir uns nicht sicher waren, wo wir hin mussten. An einer Art Kontrollhaus stellten wir uns in die Schlange bei dem Schild ‚Exit‘. Hanna und Sophie telefonierten mit einem Freund eines Arbeitskollegen, welcher ebenfalls an der Grenze war. Er half Ihnen ein Kärtchen zu bekommen, welches man später brauchte, um auf der ugandisches Seite die Einreiseerlaubnis zu erhalten. Durch die Hilfe, waren sie noch vor Anna, Henning und mir fertig, obwohl wir nicht nur ein Visum, sondern auch die Resident ID haben, welche das Visum für Uganda und auch Kenia beinhaltet. Wir erhielten das selbe Kärtchen wie die anderen beiden auch, auf meinem stand unter ID lediglich ‚Juli‘. Dann liefen wir ein paar Minuten über eine Erdstraße, überquerten zu Fuß die Grenze und liefen einfach an der telefonierendem Wache vorbei, wären auch weiter gelaufen, wäre uns nicht ein ‚ID‘ hinterher gerufen worden. Hinter der Wache (welche neben einer Schranke stand) wurden wir gleich mehr Mals gefragt, ob wir nicht Geld tauschen wollen würden. Nach einigen Metern sahen wir unseren Bus wieder und fragten uns, ob es das schon gewesen wäre. Wir stiegen ein und sahen, wie unsere Taschen durchsucht wurden. Die Männer hatten zwar keine Uniform an, schienen aber irgendeiner offiziellen Aufgabe nachzugehen. Anna meinte zu Henning und mir, dass sie hoffe, keine scharfen Gegenstände im Rucksack gelassen zuhaben. Der Beamte (?) erklärte ihr leicht gereizt, dass sie in seiner Anwesenheit englisch zu sprechen habe, damit er uns verstehen könne. Nachdem Anna einen der Rucksäcke öffnen musste, wurden wir gefragt, ob wir denn schon an der Grenzkontrolle auf der ugandischen Seite gewesen sein. Wir waren etwas ratlos, da wir außer Bussen nur ein paar Shops gesehen hatten. Hinter den Bussen fanden wir dann aber auch die ugandische Grenzkontrolle. Es bestätigte sich uns, was wir schon auf der Erdstraße über die Grenze dachten. Obwohl wir so nah an Ruanda waren, zeigte sich schon an der Grenze, dass Uganda eindeutig Unterschiede aufweist. Die Schlange zur Einreise war nicht wie in Ruanda wenige Minuten vorher schön aufgeregt, die Menschen drängelten sich vor. Nachdem wir den Stempel zur Einreise im Reisepass hatten, sind wir zurück zum Bus gegangen. Dort wurden dieses Mal auch die Handtaschen kontrolliert, von den selben Herren, die sich auch schon die Reisetaschen angesehen hatten. Wir mussten die Taschen öffnen, mein Pullover lag ganz oben. Der Mann guckte mich an und fragte ‚Are these your things?‘ Ich bejahte. ‚Lady things? Nothing for Men?‘ Kam darauf hin die Frage. Ich versicherte ihm, dass es sich lediglich um meine persönlichen Sachen handle. Darauf hin nickte er und ich durfte wieder einsteigen, ohne dass er meine Sachen auch nur angesehen hatte. Henning wurde als einziger durchsucht. Danach ging es weiter nach Kampala, wo wir für eine Stunde auf dem Busbahnhof standen, während es hell wurde. Auch hier zeigten sich weitere Unterschiede, alles war vergittert, sogar die Veranden der Häuser. Zudem lag sehr viel Plastikmüll herum, wobei ich da wahrscheinlich einfach sehr verwöhnt bin, denn Plastikmüll sieht man in Kigali sehr selten und bestimmt nicht auf den Hauptstraßen.

In Jinja schüttete es aus Eimern als wir gegen zehn Uhr morgens nach 14 Stunden Fahrt ankamen, so dass wir uns erst mal unterstellen mussten. Glücklicher Weise hatte ich eine geliehene ugandische Sim-karte, sodass wir die Freiwilligen aus Jinja anrufen konnten, nachdem wir ein Airtime Bundle gekauft hatten. Sarah, eine der Freiwilligen, erklärte dann den Boda-Fahrern, wo wir hin mussten (Bodas sind wie in Ruanda die Motos Motorrad Taxis, mit dem Unterschied, dass auf den Bodas zwei Leute + Fahrer Platz nehmen können, während auf den Motos nur eine weitere Person mitfahren darf. Zudem haben die Fahrer weder für sich, noch für die Mitfahrer Helme. In Ruanda hat jeder Moto-Fahrer einen extra Helm für seinen Passagier dabei). Sie erklärte uns, dass die Fahrt normaler weise 3000UGX kostete, wegen des Regen eventuell 4000, höchstens 5000UGX. Die Boda- Fahrer erklärten es uns so ähnlich, aber sie sagten die ‚Sunshine pices‘ lägen bei mindestens 5000UGX und da es regnete, wollten sie je nach Fahrer zwischen 6000 und 10000UGX Pro Boda, also für zwei Personen. Wir standen sehr lange mit mehreren Fahrern in einem kleinen Shop eines Busunternehmens, teils um den Regen abzuwarten, teils da wir es nicht eilig hatten und dadurch Zeit und Gelassenheit um mit ihnen über den Preis zu verhandeln. Das ganze dauerte über eine Stunde, aber letzt endlich führen wir für einen fairen Preis bis zur WG der Freiwilligen.

Nachmittags haben wir Bodas an den genommen Nil, um Kajak zu fahren. In einem kleinen Stand des Veranstalters haben wir unsere Schuhe und Taschen gelassen und sind über einen Erdweg an den Nil gelaufen. Am Wasser angekommen, erhielt jeder eine Schwimmweste und die die wollen, auch eine Spritzdecke. Dann sind wir ungefähr eine Stunde lang auf dem Nil erst gegen den Strom zwischen Inseln durch gefahren, dann einen deutlich kürzeren Weg und mit dem Strom an den Inseln vorbei. Die ganze Zeit über hat uns eine Art Kanu begleitet um die ins Wasser gefallenen dabei unterstützt, wieder in die Bote zu kommen.

Abends sind wir in ein indisches Restaurant gefahren und haben dort mit 13 Personen einen sehr schönen Abend mit all you can eat verbracht. Abends wird es immer schwerer Bodas zu bekommen, da weniger herum fahren. Diese sind dann teilweise betrunken und allgemein sollte man in Uganda Nachts nicht mit irgendwem fahren. Praktischerweise hörte der Fahrer eines leeren Viehtransporters, dass wir nach Buwenda wollten. Das sei auch seine Richtung, er könne uns mitnehmen. Wir haben weniger gezahlt, als wir es für die Bodas getan hätten, er hat Geld für eine Strecke bekommen, die er so oder so gefahren wäre. Wir sind also hinten auf die Ladefläche geklettert und hatten das sehr interessante (wenn auch aufgrund des Zustandes der Straßen teilweise unangenehme) Erlebnis einer Fahrt auf einem Transporter.

Am nächsten Morgen sind wir mit dem selben Veranstalter vom vorherigen Tag auf dem Nil angeln gegangen. Das zumindest war, was er uns gesagt hatte, wir würden letztendlich ’nur‘ zu einer Insel gefahren, haben zwei Stunden mit an Plastikflaschen gebundenen Angelschnüren und daran befestigten Angelhaken geangelt. Unser Fang bestand aus einem Fisch, der ungefähr so lang wie meine Hand war. Es war ein sehr entspannter Morgen. Anschließend sind wir zu Ewaka gefahren, dem Projekt, in dem die Freiwilligen arbeiten. Es ist ein Waisenhaus. Dort haben wir mit den Kindern zu Weihnachtsliedern getanzt, gespielt und sie einfach beschäftigt. Abends sind wir in einen Club in Jinja gegangen. Von vorne herein stand fest, dass wir Junge/Mädchen zurück fahren würden, da es nach Mitternacht nicht mehr sicher ist.

Am Sonntag haben alle erst Mal ausgeschlafen, nachmittags haben wir in dem selbstgebauten Steinofen der Freiwilligen Plätzchen gebacken und Wraps gegessen. Um halb elf sind Anna Sophie und ich zum Bus zurück nach Kigali gefahren, während die anderen noch einen Tag länger bleiben wollten. Der Bus fuhr nicht wie angekündigt um 23:45 Uhr los, sondern erst im ein Uhr nachts.

Haustiere für eine Woche

Während der Teatime am Montag vor zwei Wochen erhielt ich einen Anruf vom deutschen Botschafter hier in Kigali, ob ich nicht mit meiner Freundin, die auch an der Feier zum Tag der deutschen Einheit geholfen hat, Lust hätte, für eine Woche auf seine Hunde aufzupassen, während er und seine Frau in Sambia sind. Wir hätten uns ja während der Vorbereitung für die Feier gut verstanden.

Also fuhren Anna und ich am Sonntagabend in die Residenz, um dort alles zu besprechen. Wir wurden von den Hunden begeistert begrüßt und Frau Woeste führte uns anschließend durch das Haus. Wir durften uns aus den drei Zimmern ihrer Kinder jeweils eins aussuchen. Alle haben ein eigenes Bad. Wir freuten uns am meisten auf die warme Dusche, denn bisher ist die einzige Möglichkeit, warm zu duschen, Wasser im Wasserkocher erhitzt und dann mit einem Eimer duscht. Funktioniert, ist aber nicht das Selbe. Die Küche ist mit allem ausgestattet, was wir uns wünschen könnten, vom Ofen zu drei Herden, einem Gerät zum Überbacken bis hin zu ganz normalen Sieben oder Raspeln.

So kam es, dass Anna und ich für eine Woche in der Residenz des deutschen Botschafters gewohnt haben. Unsere Aufgaben waren sehr einfach gehalten; wir mussten lediglich die Hunde morgens und abends in den Garten lassen, mit ihnen spielen und sie füttern. Während wir gearbeitet haben, war das Hauspersonal da.

Am 23. Oktober bin ich dann abends mit dem Moto in die Residenz gefahren. Am Tor guckte mich der Wächter an und fragte, ob ich mir wirklich sicher sei, dass ich richtig bin, da der deutsche Botschafter in dem Haus wohnen würde. Nach einem kurzen Telefonat durfte ich dann auch eintreten. Nachdem der Botschafter und seine Frau gegessen hatten (Es gab Spagetti Bolognese und Quarkspeise; ich habe später auch etwas davon gegessen und es war wunderbar altbekannt) und die Tagesschau vorbei war, wurden sie von ihrem privaten Fahrer an den Flughafen gebracht. Anna kam kurze Zeit später und wir saßen noch zusammen im Wohnzimmer und haben `deutsches` Fernsehen geguckt. Da es relativ spät war, haben wir das Geschirr nur in die Küche geräumt, um es am nächsten Tag abzuspülen. Ich schlief im Zimmer des einen Sohnes, das Bett ist riesig und das Moskitonetzt an vier Ecken befestigt, nicht so wie meins an einem Punkt. Dadurch hat man das Gefühl, viel mehr Platz zu haben. Um sechs klingelte der Wecker, da Anna und ich den Pool ausprobieren wollten. Leider sind wir beide nicht richtig hoch gekommen, denn die Betten sind ein Traum. Also wurde der Pool verschoben und wir haben uns mit einer herrlichen warmen Dusche zufrieden gegeben. Gegen sieben Uhr kam einer der Hausangestellten, wir haben in der Küche schnell eine Banane gefrühstückt (das hat sich nicht geändert, wir müssen erst noch etwas einkaufen um richtig frühstücken zu können) und ich musste dann auch schon los. Da diese Woche Sports 4 Peace ist, hatte Anna etwas mehr Zeit, da sie durch das Programm nicht so früh weg musste. Nachdem ich das Grundstück verlassen hatte, fiel mir als erstes das Fehlen der Bürgersteige auf. Nur liegt es in dieser Straße nicht an fehlendem Geld, sondern die Menschen dort bewegen sich einfach nur mit dem Auto vor die Tür.

Dienstagabend gab es in einem Restaurant das zweite Freiwilligentreffen. Eigentlich wollten wir wie beim ersten Mal Bowlen gehen, aber als wir dann vor dem Mamba standen, mussten wir feststellen, dass das Restaurant mit den Bowlingbahnen zu hat. Wir haben uns dann für Pizza entschieden, dadurch war das Wegfallen des Bowlings für keinen ein Problem. Annika und Ida sind mit Anna und mir zurück in die Residenz gefahren und Ida ist mit Anna noch eine Runde im Pool schwimmen gewesen. Ich bin erst am nächsten Morgen mit Anna rein gegangen, am Abend war es mir irgendwie dann noch zu kalt. Mein Temperaturgefühl hat sich allgemein ziemlich verändert. Wäre ich bei den 25/30 Grad Celsius vor ein paar Wochen durch die Gegend gelaufen, dann wäre ich wahrscheinlich geschmolzen, denn die Sonne knallt gerade mittags sehr und man hat das Gefühl, dass die Temperatur noch mal um einige Grad wärmer ist. Aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und sobald abends die Temperaturen auf 25 Grad oder noch weniger fallen, wird mir kalt.

Einige der Freiwilligen haben uns besucht, wir haben zusammen gekocht, unter anderem Lasagne und Käsespätzle, einmal haben wir sogar Brownies gebacken. Die Küche wurde also durchaus genutzt. Laura (meine Vorgesetzte) und ich haben gemerkt, dass wir beide gerne Canasta spielen, sodass Ihr Besuch in der Residenz natürlich gleich für ein Spiel genutzt wurde.

Am Freitag war ich in meiner WG in Nyamirambo. Ich habe meine Sachen gepackt, denn ich werde in eine andere Wohnung ziehen. Vom 31.10. bis zum 3. 11. fahren wir nach Kigufi, eine kleine Stadt am Kivu-See. Dort hat das ganze Buro einen Retreat; im Social Department geht es vor allem darum, ein Positionspapier zu erarbeiten, damit wir Richtlinien haben, nach denen wir die Projekte auswählen können. Ansonsten geht es natürlich auch um interne Kommunikation, Zusammenarbeit, allgemeine Ziele etc. Danach werde ich bei Annika und Finn auf einer Matratze schlafen, bis ich zu Sophie und Hanna ziehen kann. Die beiden sind die Praktikantinnen aus der Bauabteilung. Sie sind bis Februar hier, dann muss ich mir neue Mitbewohner suchen. Aber bis dahin wird noch einiges an Zeit vergehen. Erst mal muss in dem Zimmer, in das ich ziehen werde noch einiges vorbereitet werden, unter anderem Löcher in der Wand verschlossen und die Malsachen des Vermieters weggeräumt werden. Anschließend  muss ich mich noch um Möbel kümmern, denn das Zimmer steht leer. Die Jumelage stellt mir einen Schrank und hoffentlich auch einen Schreibtisch, das Bett muss noch gekauft werden. All das wird aber erst nach dem Retreat passieren.

Montagabend kehrten der Botschafter und seine Frau aus dem Urlaub zurück. Wir haben noch ein bisschen mit ihnen vor dem Fernseher gesessen, Frau Woeste hat uns für Dienstagmorgen ihren Fahrer organisiert, welcher uns dann heute morgen um sieben abholte und in die Jumelage brachte (wir haben leicht irritierte Blicke von den Mitarbeitern erhalten, als wir bis auf dem Hof gefahren wurden). Wir wurden gefragt, ob wir Interesse daran hätten, noch mal auf die Hunde aufzupassen, wenn der nächste Urlaub kommt und heute Morgen wurde Anna dann auch gleich ein Zettel in die Hand gedrückt, mit den nächsten Daten des geplanten Uralubes. Es sieht so aus, als würden wir in einem Monat für eine weitere Woche in die Residenz zurückkehren.

In der Jumelage habe ich dann mit Laura eine Abschiedskarte für Sara gebastelt, welche heute Abend zurück nach Deutschland fliegt. Es gab einen kleinen Abschied während der Teatime. Ich werde ihre Aufgaben im Bereich Kinder mit Behinderungen übernehmen. Sie kommt aber eventuell im Februar wieder. Das wird sich alles aber erst in der Zukunft klären. Sie hat eine Jacke bekommen, die wir ihr noch übers Wochenende haben schneidern lassen und einige kleine Stofftiere, welche von den lokalen Partnern auch auf dem Weihnachtsmarkt im November verkauft werden.

Ich wünsche euch allen eine schöne Woche!

Zwei etwas andere Abende

Kigali

Am 7. Oktober landete die Ministerdelegation aus Rheinland-Pfalz in Kigali. Seit ein paar Wochen herrscht hier im Büro unter den Kollegen eine gewisse Aufregung, da sehr viel organisiert und geplant werden muss. Montag habe ich mit Esperance und Sara einen Teil der Delegation ins Heros Day Care Center begleitet, das ist eine Art Tagesstätte für Kinder mit Behinderung. In Ruanda wurde Menschen mit Behinderungen lange als minderwertig angesehen, teilweise ist das auch heute noch so. Viele Familien versteckten ihre Kinder in Hinterzimmern. Dieses Bild ändert sich so langsam, die Regierung hat verschiedene Richtlinien und Projekte, um Menschen mit Behinderungen in die Gesellschaft einzugliedern. Die Jumelage unterstützt das Heros Day Care Center, die Partner aus Rheinland- Pfalz haben der Lehrerin schon einmal eine Fortbildung in Sonderpädagogik finanziert. Jetzt sollen es weitere Lehrkräfte diese Fortbildung durchlaufen, oder einen weiterführenden Kurs besuchen. Dadurch trainieren sie, wie sie den Kindern am besten helfen können. Es haben sich am Ende der Führung sofort zwei der Gäste bereiterklärt, den Kus für jeweils eine Person zu finanzieren.

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Anschließend haben sich alle beim Essen getroffen, da die Delegation sich aufgeteilt hat, um verschiedene Projekte zu besuchen. Anschließend sind alle zu einem weiteren Zentrum für Kinder mit Behinderung gefahren, welches Eingeweiht werden sollte. Es wurden viele Reden gehalten, von einem Vater, der Bürgermeisterin, Frau Rahm (eine Frau der Partnerorganisation aus RLP, welche sehr aktiv ist und regelmäßig mit weiteren Mitgliedern des Partnerschaftsvereins in Landau nach Ruanda fährt), dem Innenminister von Rheinland- Pfalz, der Leiterin des Zentrums. Die Kinder des Zentrums führten ein kurzes Theaterstück auf, welches zeigte, wie ein Kind mit Behinderung vom Vater abgelehnt wird, er sagt er habe kein Kind. Die Mutter und die Geschwister versuchten dem Vater immer wieder zu zeigen, dass auch das Kind mit Behinderung ein ganz normales Kind sei und am Ende ging der Vater in die Schule und sah, wie sein Kind mit anderen Spielte und er hat sich bei seinem Kind entschuldigt und versöhnt. Das Theaterstück stellt ist keine Fiktion, die Kinder werden oft gerade von Vätern abgelehnt, sie nehmen das Kind nicht als ihres an, geben teilweise sogar den Müttern Schuld und es kommt zu vielen Problemen in der Familie. Die Versöhnung in der Schule ist wohl eher unrealistisch, wohl der Traum der Versöhnung vieler. Später führten die Kinder noch einen Tanz auf und haben uns am Ende aufgefordert, mitzumachen. Einer der hiesigen traditionellen Tänze besteht aus rhythmischen Schritten uns sehr langsamen, kontrollierten Armbewegungen. Es ist besser, mitzumachen und dabei eher unelegant auszusehen, als abzulehnen, wurde uns erklärt. Wir standen also nach einer Aufforderung auf und versuchten die Bewegungen möglichst genau nachzumachen. Es war sehr lustig und ich denke, dass es auch den Kindern viel Spaß gemacht hat. Sie habe während der Reden sehr ruhig an ihren Plätzen gestanden und getrommelt, wenn geklatscht wurde. Es war eine sehr schöne Zeremonie.

Abends haben sich dann die Delegation, die Gruppe von Frau Rahm und noch weitere Besucher in der Juemlage zum Essen getroffen, es gab ein großes Buffet. Während des Essens traten Tänzer auf, die wieder traditionelle Tänze aufführten. Einer davon wurde früher nach dem ein Krieg gewonnen war getanzt, Simon erklärte mir, dass es ein Tanz war, der viel Stolz ausdrückt und den Krieg für beendet erklärte.

 

Am Dienstag den 10. Oktober gab es in der Residenz des Botschafters eine Feier zum Tag der deutschen Einheit. Diese wurde wegen der Delegation nach hinten verschoben, damit die Mitreisenden ebenfalls teilnehmen konnten. Letzte Woche wurden die Freiwilligen gefragt, ob sie bei der Feier helfen können. So kam es, dass Anna, Henning, Sara, Valery und ich uns letzten Freitag auf den Weg in die Residenz des deutschen Botschafters, Herr Woeste, hier in Kigali machten. Dort wurde ein bisschen darüber erzählt, wie solch eine Feier aussehen würde, was wir machen sollten etc. Anna und ich wurden gebeten, die deutsche Nationalhymne mitzusingen. Leider war ich für die Probe im Goetheinstitut am Montag nicht da, da ich die Delegation begleitet habe. Dienstag haben wir um 13:00 Uhr mit dem Arbeiten aufgehört, da wir um 17:00 Uhr an der Residenz sein sollten. Ich bin um vier noch mal in die Jumelage gefahren um zu duschen, da wir mal wieder kein Wasser haben. Um halb fünf haben Anna, Henning, Sara, Valery und ich uns vor der Jumelage getroffen, und sind zusammen zur Residenz des Botschafters gefahren. Dort wurden wir von einer Mitarbeiterin der Botschaft empfangen, sie schien die Verantwortliche für die Organisation zu sein. Wir bekamen Namensschilder und wurden in drei Gruppen aufgeteilt. Anna und Henning sind mit Tabletten mit kleinen Schnitzeln oder Zwiebelkuchen herumgelaufen, Ivan und Eserance (Helfer von der Sparkassenstiftung) standen am Stand von Rheinland-Pfalz um die Besucher davon abzuhalten sich schon vor den Reden zu bedienen und Sara, Valery und ich standen im ersten Zelt. Bevor um sechs die Gäste eingelassen wurden, haben wir einmal die deutsche Nationalhymne gesungen, denn diese sollten wir nach der Rede des Ruandischen Ministers mitsingen, um die Leute zu animieren. Nach dem Einlass haben wir Wasser, Sekt, Weißwein oder Bier an die Gäste ausgegeben, nachdem sie vom Botschafter und seiner Frau begrüßt wurden. Ich habe hinter dem Stand gestanden und Sektgläser ausgeschenkt, Valery hat das Bier verteilt und Sara stand vor dem Tisch und hat den Leuten bei der Auswahl zwischen den Getränken geholfen. Als uns die Sektgläser ausgingen und auch auf dem Reservetisch keine mehr standen kam zum Glück kurz danach der Ruandische Außenminister und der offizielle Teil konnte beginnen. Wir konnten die Ausgabe am Eingang dann auch relativ schnell zumachen, nachdem noch mehrere Menschen für ein zweites Glas zurück kamen. Nach der Rede des ruandischen Außenministers wurde die deutsche Nationalhymne gesungen, Anna, Sara und ich sangen mit ein paar weiteren freiwilligen Vorsängern laut mit. Anschließend haben wir den Empfangstisch so gut es ging aufgeräumt und haben dann am Rheinland- Pfalz Stand geholfen Wurst auszuteilen, welche mit der Delegation aus RLP frisch eingeführt wurde.

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Zudem gab es Brezeln von der ‚deutschen‘ Bäckerei, die waren ganz schnell weg. Es gab zuerst aufgeschnittene Wurst auf Platten, nachdem diese leer waren, haben wir die Wurst die ‚ausgestellt‘ war aufgeschnitten. Gegen 22:00 Uhr waren wir fertig mit Helfen und konnten uns zumindest noch was zu trinken holen, das Essen war größtenteils weg. Wir haben uns noch mit verschiedenen Leuten unterhalten, unter anderem einem Mitarbeiter der Ägyptischen Botschaft, welcher Anna ihre Handynummer aus den Rippen leierte, da er uns irgendwann einladen wollte, um sich für den tollen Service zu bedanken. Als wir dann um kurz vor zwölf gehen wollten, wurde uns vom Botschafter und seiner Frau noch übrig gebliebenes Essen aus der Küche mitgegeben, und uns wurde versichert, dass sie ein Weihnachtsbacken veranstalten wollen würden, um sich noch mal zu bedanken. Der Fahrer des Botschafters hat Anna Sara und mich dann noch heimgefahren, der Rest der Freiwilligen ist schon früher gegangen.

Ich werde (hoffentlich) demnächst noch weitere Bilder der Veranstaltungen posten können, aber da diese von Fotographen gemacht wurden, wird es wohl noch etwas dauern, bis sie auch die Freiwilligen erreicht haben.

Am folgenden Tag mussten wir erst nach der Teatime (also um 10:30 Uhr) im Büro sein, ich konnte also ganz entspannt ausschlafen. In der Mittagspause habe ich mich dann mit Laura unterhalten, sie hat mir ein paar Tipps für die Reise nach Sansibar gegeben, die ich gerade mit Annika, Finn und Merle plane. Wir wollen Silvester auf Sansibar verbringen und uns für den Rückweg ein paar Tage Zeit nehmen, um Stopps im Land zu machen. Leider wird die Planung wohl komplizierter als erwartet, denn wir sind eigentlich schon zu spät dran, Silvester ist nämlich Hochsaison in Sansibar.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Vor ein paar Tagen waren Anna, Hanna, Sara und ich nach der Arbeit in der Town um Stoffe zu kaufen. Da ich am nächsten Tag auf den Markt in Kimironko wollte, hatte ich eigentlich vor, mir keinen Stoff zu kaufen. Denn auf dem Markt gibt es wirklich alles, was man braucht und nicht braucht. Die Betonung liegt auf eigentlich, denn ich bin am Ende mit zwei Stoffteilen wieder gegangen. Eine Bahne Stoff ist normalerweise 2×6 Meter lang. Das reicht für drei Teile, außer man möchte sich etwas wie ein langes Kleid nähen lassen. Es würde also für drei Hose oder Oberteile reichen. Da man meist nicht drei Kleidungsstücke aus dem selben Stoff machen möchte haben wir uns die Stoffe geteilt. Aus einem möchte ich mir eine Hose schneiden lassen. Der andere Stoff ist dunkel violett und somit eigentlich etwas, das ich nicht trage, aber die anderen haben mich so lange bearbeitet, bis ich zugestimmt habe, mir ein Kleid daraus schneidern zu lassen. Ich kann mir vorstellen, dass es gut aussehen könnte. Als wir vor einem der Tische standen meinte Hanna plötzlich zu mir, dass etwas unter dem Tisch liegen würde. Ich dachte erst, dass es eine Plastiktüte ist. Sara sagte etwas und ich habe verstanden es wären Haare. Ich habe sie schockiert angesehen und meinte es würde doch keine Person unter dem Tisch liegen. Es lag auch keine Person unter dem Tisch, sondern ein Hahn. Wir glauben, dass er tot war. Aber da wir öfters Mal komische Geräusche gehört haben denken wir, dass er nicht das einzige Tier unter den Tischen war.

Kimironko Market

Mit Sara, Hanna, Anna, Henning und Laura war ich auf dem Kimironko Markt. Wir sind mit dem Bus gefahren, da man für ein Moto gerne mal 1000 rwf zahlt, für dem Bus aber nur 280 rwf, das sind umgerechnet circa 28ct. Wenn man einsteigt hält man eine entsprechende Karte vor ein kleines Gerät, welches die Summe davon abzieht, welche man für die Fahrt zahlen muss. Dabei spielt es keine Rolle, ob man schon beim nächsten Halt aussteigt, oder bis zur Endstation fährt. Die Busse sind hier meist kleiner als die deutschen Stadtbusse. Ich glaube es sind sechs Reihen a vier Sitzen. Drei dieser vier Sitze sind fest, der rechte der mittleren Sitze ist hochklappbar. Zuerst setzt man sich also auf die festen Sitze, wenn die alle belegt sind, dann wir sich auf die hochklappbaren Sitze gesetzt, die dann über dem Gang ausgeklappt werden. Wenn der Bus voll ist und jemand von ganz hinten raus will, dann müssen alle Leute mit Sitzen auf dem Gang auch aussteigen. Wer aussteigen will klopft gegen das Fenster, Stoppknöpfe gibt es nur in den großen Bussen, da man dort das klopfen nicht höre, wie einer anderen Freiwilligen erklärt wurde.

Bus
Der fast leere Bus, auf dem weg nach Kimironko

Die Fahrt dauerte länger als erwartet, da der Fahrer in der Town hielt und dort solange wartete, bis der Bus voll war. Das hat etwas länger als eine halbe Stunde gedauert, ist aber hier nichts Ungewöhnliches. Als wir auf dem Markt ankamen sind wir als erstes zu den Stoffen gegangen, da man sich gleich etwas schneidern lassen kann und es dann am selben Tag abholt. Dort sind wir dann auch hängen geblieben. Ich habe mir wie Henning, Hanna und Laura eine Hose schneidern lassen, Sara und Anna haben sich für ein Kleider entschieden.

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Ein Stoffstand. Diese sind hundertfach aneinander gereit, nur durch die auf Holzstangen aufgehängten Stoffbahnen voneinander getrennt. Viele Stände haben ähnliche Stoffe und versuchen die Marktbesucher mit ‚best price, best price‘ oder ‚hello hello come here‘ zu ihrem Stand zu holen.

Das Aussuchen der Stoffe ist eine wahre Herausforderung. Die Stoffe hängen dicht an dicht, überlappen sich und man sieht nur einen kleinen Streifen. Oftmals ist das Muster dann ganz anders als man denkt. Es ist zudem nicht gerade leicht, sich den Stoff als fertiges Kleidungsstück vorzustellen. Zudem wird man von den ganzen Farben überflutet, dunkel und hell liegt genau nebeneinander und man kann sich gar nicht richtig auf einen Stoff konzentrieren.  Nachdem wir es dann geschafft haben uns die Stoffe auszusuchen, wurden wir von Schneider*innen vermessen und diese haben die Stoffe mitgenommen, um das gewünschte daraus zu schneidern. Sie saßen alle in einer Reihe am Rand des Marktes, überall flogen Stoffreste herum und man hörte die Nähmaschinen rattern. Wir haben uns dann auf den Weg gemacht um uns weiter umzuschauen.

Es gab viele Souvenirs, Schalen, Körbe, Masken, aber auch einen Abschintt mit Wasserrohren, Hämmern, Pinseln und anderem Werkzeugt. Und der Abschnitt mit den Nahrungsmitteln durfte natürlich auch nicht fehlen. Die Aufteilung zwischen Obst und Gemüse scheint auf den Märkten hier normal zu sein. Ich habe eine Mülltüte für den Mülleimer in der Wohnung erstanden. Als ich fragte, was die Tüte koste meinte der Mann zu mir 500 rwf. Eine Frau, ich glaube sie arbeitete am Stand direkt daneben guckte ihn verwundert an und sagte 300 rwf. Ich habe sie dann auch für 300 rwf gekauft. Im weggehen habe ich gehört, wie der Mann zu der Frau etwas mit „Amafaranga“ und „Muzungu“ sagte. Amafaranga bedeutet Geld und Muzungu ist der Reisende, wird aber als Bezeichnung für Weiße verwendet. Ich würde darauf wetten, dass er ihr sagte, dass man bei Weißen doch mehr verlangen würde oder so ähnlich. Wahrscheinlich sind 300 rwf immer noch zu viel Geld für die Säcke, aber ich bin einfach nur glücklich, dass wir sie haben.

Kurze Zeit später sind wir dann zurück zu den Stoffen gegangen, um zu sehen, wie weit alles war. Das meiste hat anstatt der versprochenen Stunde dann eineinhalb oder zwei gedauert. Da es keine Umkleidekabinen gibt, wird einfach ein Stoff von zwei Personen vor einen Stoffstand gehalten, während sich der Käufer dahinter umzieht. Bei den meisten Sachen mussten ein paar kleine Änderungen vorgenommen, bei den Hosen ging dies schneller als bei den Kleidern. Ich denke mein Fazit ist, dass man sich Hose ohne großen Aufwand auf einem Markt machen lassen kann. Für ein Kleid oder eine Jacke würde ich persönlich zu einem Schneider gehen, welcher sich etwas mehr Zeit nimmt (nehmen kann, denn wir wollten die Sachen ja auch möglichst schnell haben). Das ist glaube ich für beide Parteien stressfreier. Wobei die Schneider*innen dort den Stress sicher gewöhnt sind, oder sich einfach nicht stressen lassen.

Sara und ich hatten irgendwann ziemlich Hunger und haben nach etwas zu essen gesucht. In Ruanda isst man nicht auf der Straße. Das scheint auch für den Markt zu gelten, denn es war nicht leicht etwas zu finden. Nach dem wir mehrere Menschen gefragt haben, haben wir einen kleinen Shop gefunden, der zumindest Mandazi verkaufte. Aber auch hier musste man erst durch einen Vorhang durchgehen, um den Landen zu betreten. Essen ist nichts, was man öffentlich macht.

Nach ungefähr vier Stunden waren wir dann alle bereit zurück zu fahren. Vor dem Markt gibt es einen kleinen Busbahnhof. Wir stellten uns in die Schlang zum Bus, welcher zurück in die Town fährt. Die Schlange war mindestens 60 Leute lang, aber da die Busse ziemlich oft fahren haben wir nicht mehr als zehn Minuten gewartet. Ich bin in der Town dann umgestiegen um nach Nyamirambo zu fahren, die anderen sind ebenfalls in ihre Stadtteile zurück gekehrt.

Wahlparty

Am 24. September waren wir abends auf der Wahlparty, welche im Garten des Politikreferenten der Deutschen Botschaft stattfand. Eingeladen war ab 17:00 Uhr, wir sind um 18:00 Uhr rechtzeitig zur ersten Hochrechnung gekommen.

Wahlparty
Der Tisch mit einem Bruchteil der Freiwilligen

Es gab deutsches Essen (Fleischkäse, Kartoffelsalat und meinen persönlichen Favoriten, Brezeln) und Bier. Die Veranstalter haben am Eingang wählen gelassen, um einen Vergleich anzustellen. Grüne, Linke und SPD lagen knapp über 20%, die CDU bei 13%, die FDP bei 10 % und die AFD bei 3%. Nach den ersten Hochrechnungen war die Stimmung leicht gedrückt, die ‚Wahlen‘ im Garten wurden logischer weise deutlich besser angenommen. Nach ein paar Stunden haben sich dann alle privaten Gesprächen gewidmet, welche immer wieder verstummten, wenn wichtige Politiker interviewt wurden. Nach und nach verdünnte sich die Menge immer weiter, bis am Ende nur noch die Freiwilligen im Garten saßen. Wir wurden dann subtile darauf hingewiesen, dass wir gehen sollten, indem der Bildschirm ausging und die Veranstalter begannen aufzuräumen.